Dresden: Stadthaus

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

1922 – 1923

Architekt: Ludwig Wirth

Theaterstraße 11–15, Dresden

Das sechs­ge­schossige Verwaltungsgebäude wurde in den Jahren 1922 bis 1923 in der Innenstadt von Dresden als gekrümmter Einflügelbau mit einer markanten wellen­artig bewegten Fassade nach Plänen des Architekten Ludwig Wirth errichtet. 

Der Stahlbetonskelettbau mit einer Verkleidung aus Kunststein ist außen und innen weitgehend ursprünglich erhalten.

Wirth war in seinem Entwurf beein­flusst von der Formensprache Hans Poelzigs (1916 bis 1920 Stadtbaurat von Dresden), der bereits 1917 Pläne für ein Stadthaus für Dresden vorgelegt hatte, die jedoch nicht zur Ausführung kamen.

Entwurf Stadthaus. Foto des Modells, 1917. Architekt: Hans Poelzig

Entwurf Stadthaus. Foto des Modells, 1917. Architekt: Hans Poelzig

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Aufnahme 1923

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Aufnahme 1923

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Lage des Stadthauses

Das Gebäude befindet sich in der Wilsdruffer Vorstadt in unmit­tel­barer Nähe zum Postplatz.

Die Hauptfassade zeigt nach Norden in Richtung Zwingerteich entlang der Hertha-Lindner- und Theaterstraße. Auf der schräg gegen­über­lie­genden Straßenseite befindet sich das Schauspielhaus.

Stadthaus

Wirth war jahre­langer Mitarbeiter von Hans Erlwein, 1905 bis 1914 Stadtbaurat von Dresden, dessen Auseinandersetzung mit der Dresdner Bautradition er eine ganz eigene Auffassung entgegensetzte.

Erlwein war es bereits in den Jahren 1913 und 1924 gelungen, massive Stahlbetonbauten wie den Erlweinspeicher in die Innenstadt Dresdens zu integrieren.

Durch ihre wellen­ar­tigen Gestaltung erzeugt die profi­lierte Werksteinfassade des Stadthauses lebendige Licht- und Schatteneffekte.

Das expres­sio­nis­tische Treppenhaus ist ganz in geformten Beton gestaltet.

Die Hauptfassade des sechs­ge­schos­sigen Hauses folgt der Straßenkrümmung. Die vertikale Gliederung erfolgt dabei durch wellen­förmige Bögen, die von Sprossenfenstern unter­brochen werden.

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Architekt Ludwig Wirth

Der am 14. Februar 1879 in Regensburg geborene Ludwig Wirth immatri­ku­lierte sich an der Technischen Hochschule München und erhielt nach Abschluss seines Studium der Architektur eine Anstellung als Regierungs-Baumeister in den Landbauämtern Amberg und Regensburg.

Zu einem unbestimmten Zeitpunkt lernte er den Architekten Hans Jakob Erlwein kennen, der sein Mentor wurde.

Dresden

Erlwein, ebenfalls Absolvent der Technischen Hochschule München, wurde im November 1904 zum Stadtbaurat von Dresden und ein Jahr später zum Leiter des Hochbauamts ernannt.

Das Datum von Ludwig Wirths Ankunft in Dresden ist unbekannt.

Möglicherweise arbeitete er dort bereits zur Zeit der ersten Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911, für die er einen 25-seitigen Aufsatz über ideale Familienwohnungen verfasste, der 1914 veröf­fent­licht wurde.

1913 betei­ligte er sich an einem Wettbewerb für den Bau einer Handelskammer in Dresden-Plauen. 1913 bis 1914 assis­tierte Wirth Erlwein bei den Entwürfen für die Ausstellung Das Deutsche Handwerk, die 1915 in Dresden stattfand.

Im Mai 1914 entwarf Wirth den deutschen Pavillon auf der Esposizione Internazionale di Marina, Igiene Marinara e Mostra Coloniale in Genua. Im August 1914 wurde er einberufen.

Als Wirth nach Kriegsende an das Dresdner Hochbauamt zurück­kehrte, hatte Hans Poelzig das Amt des Stadtbaumeisters inne.

Kleinwohnungen

1919 veröf­fent­lichte Wirth das Buch Kleinwohnungen, eine Ausarbeitung seines Aufsatzes von 1911, als Reaktion auf die kriegs­be­dingte Wohnungsknappheit.

Darin werden sowohl mehrstö­ckige Mehrfamilienhäuser als auch Einfamilien-Reihenhäuser berück­sichtigt, wobei der Schwerpunkt auf gesund­heit­lichen Aspekten wie Licht, Belüftung und Bereitstellung von Badewannen liegt.

Auf dem Titelblatt wird Wirth als Stadtbauamtmann, Abteilungsvorstand im Entwurfsatelier des städti­schen Hochbauamtes bezeichnet.

Stadthaus-Projekt

Zu diesem Zeitpunkt hatte Wirth bereits mit dem Projekt des Stadthauses an der Theaterstraße, ein neues Verwaltungsgebäude für die Stadt Dresden, in dem eine Städtische Bücherei und Lesehalle unter­ge­bracht werden sollten, begonnen.

Es war das erste monumentale Gebäude, das in Dresden nach dem Krieg errichtet wurde. Der Entwurf des Stadthauses ist wesentlich beein­flusst von Poelzigs Entwurf aus dem Jahr 1917, der nicht zur Ausführung kam.

In einer Besprechung seines Projekts im Zentralblatt der Bauverwaltung vom  24. Juni 1922 wird Wirth als Stadtbaudirektor bezeichnet.

Aus der gleichen Zeit stammen zwei Pläne von Wirth für ein Studentenzentrum für die Technische Hochschule Dresden.

Am 1. Juli 1922 wurde Paul Wolf zum Stadtbaurat für Hochbauwesen und Stadterneuerung ernannt.

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Bürogründung in Dresden

1925 verlässt das Hochbauamt und gründet sein eigenes Büro für Architektur und Innenarchitektur in Dresden. Mitarbeiter seines Büros waren der Architekt Johannes Rascher (geb. 1904) sowie Reinhold Mittmann.

Nach Wirths Plänen entstanden in den nächsten Jahren eine Rutschbahn, eine Kaufhalle und eine Tanzdiele für die Vierte Jahresschau Deutscher Arbeit Dresden, 1925, ein Gemeindehaus mit Festsaal für die Zions-Kirchgemeinde in den Jahren 1926 bis 1927.

Außerdem wurden eine Großkraftwagenhalle in Dresden-Löbtau (1928), das Altenheim „Hedrig-Greß-Heim“ an der Bautzner Landstraße 108 in Dresden (1929), ein Gemeindehaus mit Festsaal für die Andreas-Kirchgemeinde in Dresden (1930) sowie ein Postamt in Glashütte nach seinen Plänen errichtet.

Garmisch-Partenkirchen

Um 1935 kehrte Wirth nach Bayern zurück und gründete ein Büro in Garmisch-Partenkirchen. Zwei Projekte aus dieser Zeit sind nachweisbar: ein Wohnhaus für Karl Eberth in der Graf-Dürckheim-Straße 10 in Steingaden sowie ein Landhaus in Garmisch-Partenkirchen, das für Wilhelm List gebaut wurde.

Am 18. August 1946 verstirbt Ludwig Wirth in Garmisch-Partenkirchen.

Rekonstruktion und Sanierung des Stadthauses

Nach dem Krieg, in dem das Stadthaus in Dresden mehrfach durch Bomben getroffen wurde, wurde es rekon­struiert und konnte für städtische Einrichtungen in der Innenstadt genutzt werden.

1999 bis 2000 wurde das Gebäude umfassend denkmal­ge­recht saniert. 

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922-1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

Stadthaus, 1922–1923. Architekt: Ludwig Wirth. Foto: Daniela Christmann

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