
Mehrfamilienhaus, Dammerstock Siedlung Karlsruhe, 1929, Architekt: Walter Gropius
1928 – 1929
Architekten: Walter Gropius, Otto Haesler u. a.
Bussardweg 27-49, 26-52, Dammerstockstr. 13-17, 23, 2-58, Danziger Str. 1-3, 8-14, Falkenweg 37-67, 42-72, Nürnberger Str. 1, 3, 5, Sperberweg 29-45, 49, 4-18, Karlsruhe
Dammerstock ist eine Wohnsiedlung im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock.
Walter Gropius und Otto Haesler planten die Siedlung unter Mitwirkung weiterer Architekten.
Sie zählt zu den wesentlichen Beispielen der Architektur des Neuen Bauens in Deutschland.
Vorgeschichte
Aufgrund der fehlenden Bautätigkeit während der Zeit des Ersten Weltkriegs war die Wohnungsnot im Deutschen Reich in den darauffolgenden zwanziger Jahren katastrophal.
Nach dem Ende der Inflation im Jahr 1924 und der Erholung der Wirtschaft wurde zwar wieder g
Zwar wurde nach dem Ende der Inflation im Jahr 1924 und der Erholung der Wirtschaft wieder gebaut, jedoch blieben die Wohnungen für den unteren Mittelstand unerschwinglich.
Aus diesem Grund wurden in zahlreichen Städten wie Berlin, Frankfurt, Dessau, Breslau und Karlsruhe genossenschaftliche Bauvereine gegründet, die neue, bezahlbare Siedlungen errichteten.
Im Jahr 1928 schrieb die Stadt Karlsruhe einen Wettbewerb zur Bebauung des stadteigenen Dammerstockgeländes aus. Die Vorgabe lautete, dort bis Mitte des Jahres 1929 Klein- und Kleinstwohnungen für Familien aus mittleren und unteren Einkommensschichten zu errichten.
Wettbewerb
Zu dem Wettbewerb wurden acht auswärtige Architekten, darunter Walter Gropius, Otto Haesler, Richard Döcker, Franz Roeckle, Max Schmechel und Wilhelm Riphahn mit Caspar Maria Grod eingeladen.
Darüberhinaus beteiligten sich 43 Karlsruher Architekten.
Das Preisgericht war unter anderem mit Ernst May, Ludwig Mies van der Rohe und Otto Völckers prominent besetzt.
Den ersten Preis erhielt der Entwurf von Walter Gropius, den zweiten Preis der Entwurf von Otto Haesler.
Gropius übernahm daraufhin die künstlerischer Leitung und bestimmte in dieser Funktion die gestalterischen Richtlinien der Siedlung. Außerdem koordinierte er die Tätigkeiten der beteiligten Architekten.
Zeilenbauweise
Die wichtigste Planungsidee von Gropius war die Zeilenbauweise. Anstelle der herkömmlichen Blockrandbebauung wurden Gebäude in nord-süd-parallel gesetzten Reihen gebaut, deren Enden zur Mitte hin abwechselnd mit quergestellten Kopfbauten versehen sind.
Das Ziel war eine optimale Besonnung: Morgens sollte es Licht im Schlafzimmer und nachmittags in den Wohnräumen geben.
Es handelte sich um den ersten Siedlungsbau der Weimarer Republik, bei dem in der Ausschreibung ausdrücklich die Zeilenbauweise vorgeschrieben war.
Der erste Entwurf von Otto Haesler und Karl Völker wurde aufgrund der einseitigen Erschließung der Zeilen als zu kostenaufwendig abgelehnt.
Man entschied sich daraufhin bei dem von Gropius und Haesler überarbeiteten Lageplan für eine doppelseitige Erschließung.
Die Gebrauchswohnung
Die Stadt stellte die Mustersiedlung im Oktober 1929 mit der Ausstellung „Die Gebrauchswohnung“ der Öffentlichkeit vor.
Der Künstler und Grafiker Kurt Schwitters übernahm die Gestaltung aller Werbebroschüren und begleitenden Publikationen.
Aufgrund der Weltwirtschaftskrise konnten von den ursprünglich geplanten 750 Wohnungen der Siedlung jedoch nur 228 errichtet werden.
Erweiterung und Sanierung
Erst nach 1949 setzte die Stadt den Bau der Siedlung gemäß Gropius‘ ursprünglicher Planung fort.
Die inzwischen denkmalgerecht sanierte Siedlung ist bis heute vollständig bewohnt.
Im Jahr 1991 wurde sie als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung eingetragen.
In den Jahren zuvor wurden die Fassaden wärmegedämmt und die Originalfenster teilweise ausgetauscht.
Die Grundrisse blieben dabei weitgehend unverändert.

Mehrfamilienhaus. Siedlung Dammerstock, 1928-1929. Architekt: Walter Gropius. Foto: Daniela Christmann

Mehrfamilienhaus. Siedlung Dammerstock, 1928-1929. Architekt: Walter Gropius. Foto: Daniela Christmann


