Berlin: Waldsiedlung Zehlendorf

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

1926 – 1931

Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring

Argentinische Allee, Berlin, Steglitz-Zehlendorf

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Lage

Die denkmalgeschützte Waldsiedlung liegt zu beiden Seiten der Argentinischen Allee im Berliner Stadtteil Zehlendorf.

Als großflächige Siedlung ohne eine einzelne Hausadresse erstreckt sie sich beiderseits der Argentinischen Allee und wird durch die Onkel-Tom-Straße, den Sprungschanzenweg, den Holzungsweg und die Straße Am Fischtal begrenzt.

Zentraler Bezugspunkt ist der U-Bahnhof ‚Onkel Toms Hütte‘ in der Argentinischen Allee.

Name

Die Waldsiedlung Zehlendorf, die im Berliner Volksmund auch als „Onkel-Tom-Siedlung“ oder wegen ihrer markanten Farbgebung als „Papageiensiedlung“ bezeichnet wird, liegt am Rande des Grunewalds.

Der Name des U-Bahnhofs geht auf ein 1885 eröffnetes Ausflugslokal zurück, das sich in der Nähe befand. Der Betreiber des Lokals, ein Mann namens Thomas, benannte seine Gaststätte in Anlehnung an Harriet Beecher Stowes 1852 erschienenen Bestseller „Onkel Toms Hütte“.

Literarisch oder exotisch klingende Namen für Ausflugslokale am Stadtrand waren im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Auf diese Weise versuchte man, Berliner Sonntagsausflügler anzulocken. Als die U-Bahn-Linie 1929 verlängert wurde, übernahm die neue Station den bereits eingeführten Lokalnamen. Schließlich ging die Bezeichnung auf die gesamte Siedlung über.

Einordnung

Mit rund 1.900 Wohneinheiten zählt die Waldsiedlung zu den größten und gestalterisch facettenreichsten Siedlungen der 1920er-Jahre in Deutschland. Sie gilt als eines der Hauptwerke Bruno Tauts, ist jedoch nicht allein sein Werk. Am 26. Juli 2026 beschloss das UNESCO-Welterbekomitee die Waldsiedlung Zehlendorf als siebte Teilstätte in die bestehende Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ aufzunehmen.

Ausgangslage

Nach dem Ersten Weltkrieg herrschte in Deutschland ein erheblicher Wohnungsmangel. Berlin war als wachsende Industriemetropole davon mit einem geschätzten Defizit von mindestens 130.000 Wohnungen besonders betroffen. Einkommensschwache und arbeitssuchende Bevölkerungsgruppen fanden vielfach nur in den dicht belegten, hygienisch bedenklichen Mietskasernen der Gründerzeit Unterkunft.

Mit der Gründung der Weimarer Republik 1919 und der Bildung Groß-Berlins 1920 verschoben sich die politischen Voraussetzungen für den Wohnungsbau. Drei Entwicklungen begünstigten ab 1924 einen spürbaren Aufschwung der Bautätigkeit: die Etablierung gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, die Einführung der Hauszinssteuer zur Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus sowie eine Reform der Bauordnung.

An die Stelle der Mietskaserne traten Wohnungen mit eigener Küche, Bad und Balkon, ohne Hinterhöfe und Seitenflügel, dafür mit Zugang zu Licht, Luft und Grünflächen.

Diesem städtebaulichen Programm folgend entstanden in Berlin mehrere große Siedlungsprojekte, von denen sechs – die Gartenstadt Falkenberg, die Siedlung Schillerpark, die Großsiedlung Britz (Hufeisensiedlung), die Wohnstadt Carl Legien, die Weiße Stadt und die Großsiedlung Siemensstadt – bereits 2008 als ‚Siedlungen der Berliner Moderne‘ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurden.

Zehlendorf

Zehlendorf selbst hatte sich seit der Jahrhundertwende zum bevorzugten Berliner Villenvorort entwickelt und wies bei der Bildung Groß-Berlins 1920 die sechstgrößte Fläche bei zugleich niedrigster Bevölkerungsdichte der neuen Bezirke auf.

Eine Schlüsselrolle bei der Erschließung des Baugeländes kam dem Bauunternehmer Adolf Sommerfeld zu. Sommerfeld, der 1900 als Vierzehnjähriger nach Berlin gekommen war und dort das Zimmermannshandwerk erlernt hatte, gründete 1910 seine erste eigene Baufirma und erwarb Anfang der 1920er-Jahre größere Flächen Bauerwartungsland am Rand des Grunewaldes – unter anderem 1922/23 das Areal zwischen Fischtal und Grunewaldsee von den Erben der Familie Pasewaldt.

Gemeinsam mit den Stadtbauräten Martin Wagner und, später, Ernst Reuter entwickelte er daraus ein größeres städtebauliches Vorhaben im Norden Zehlendorfs, dem auch die Planung der Schnellbahnanbindung vorausging.

Sommerfeld suchte dabei gezielt die Zusammenarbeit mit den führenden Architekten der Moderne. Er baute unter anderem mit Erich Mendelsohn, Richard Neutra, Fred Forbat und Otto Rudolf Salvisberg und unterhielt eine enge, auch persönliche Beziehung zu Walter Gropius.

Bereits 1922 hatte er mit der kleineren Holzhaussiedlung „Im Kieferngrund“ ein erstes Bauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft realisiert, das der eigentlichen Waldsiedlung vorausging.

1925 verkaufte Sommerfeld den südlichen Bereich zwischen der geplanten Verlängerung der U-Bahn-Trasse und dem Fischtal an die 1924 gegründete gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft), die den vorhandenen Bebauungsplan durch Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg überarbeiten ließ.

Über seine Firmengruppe blieb Sommerfeld darüber hinaus auch an der eigentlichen Bauausführung beteiligt und war damit nicht nur Grundstücksverkäufer, sondern Mitinitiator des gesamten Vorhabens. Das zuständige Bezirksamt Zehlendorf stand dem Bebauungsplan zunächst ablehnend gegenüber, da er den ursprünglich vorgesehenen Villenbau zugunsten von Reihen- und Mietshäusern aufgab. Erst mit Unterstützung Martin Wagners konnte das überarbeitete Konzept durchgesetzt werden.

Sommerfeld war jüdischer Herkunft und musste während der NS-Zeit ins Exil nach Frankreich, Palästina und England. Erst Anfang der 1950er-Jahre kehrte er, unter dem anglisierten Namen Andrew Sommerfield, zeitweise nach Deutschland zurück und musste um die Rückgabe seiner Firmen und seines Besitzes kämpfen.

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Baugeschichte

Die Waldsiedlung wurde zwischen 1926 und 1931/32 in sieben Bauabschnitten errichtet. Im Wesentlichen wurde sie von der GEHAG finanziert, die bis heute – über mehrere Eigentümerwechsel hinweg und zuletzt als Teil der Deutsche Wohnen Gruppe – Eigentümerin großer Teile des Geschosswohnungsbestands ist.

Insgesamt entstanden 1.917 Wohneinheiten, davon 1.108 Geschosswohnungen in Mehrfamilienhäusern mit bis zu drei Etagen und 809 Einfamilien- beziehungsweise Reihenhäuser.

Mit der Erarbeitung des Bebauungsplans für den südlichen Bereich wurden Hugo Häring, Otto Rudolf Salvisberg und Bruno Taut, der leitende Architekt der GEHAG, beauftragt. Die einzelnen Baugebiete des ersten Bauabschnitts wurden unter den drei Architekten verlost: Taut erhielt den nördlichen, Salvisberg den südwestlichen und Häring den südöstlichen Teilbereich.

Der vorhandene Kiefernbestand wurde bewusst in die städtebauliche Konzeption einbezogen, sodass Natur und Architektur eng miteinander verzahnt blieben. Die Bauleitung oblag in den ersten Jahren Hans Kammler, später der Architektin Ludmilla Herzenstein.

Auf steigende Grundstückspreise wurde in den späteren Bauabschnitten mit einer höheren baulichen Dichte reagiert. Der fünfte Bauabschnitt nördlich der Argentinischen Allee bestand im Wesentlichen aus Einfamilienreihenhäusern mit einer besonders differenzierten Farbgebung: Die Westseiten der Nord-Süd-Zeilen erhielten einen warmen, rotbraunen Ton, die Ostseiten einen grau-grünen Anstrich – eine Farbwahl, die den unterschiedlichen Sonnenständen Rechnung trug.

Parallel dazu wurde 1929 die Verlängerung der U-Bahn-Linie U3 in Betrieb genommen. Das Empfangsgebäude entwarf Alfred Grenander, wobei sein ursprünglicher Entwurf nicht vollständig umgesetzt wurde. In den Jahren 1931/32 ergänzte Salvisberg beidseitig der U-Bahn-Station überdachte Ladenpassagen, die Wohnen, Einkaufen und den täglichen Weg zur Arbeit funktional miteinander verknüpften – ein städtebauliches Novum im damaligen öffentlichen Wohnungsbau.

Der sechste Bauabschnitt Tauts nördlich der U-Bahn ist durch eine 450 Meter lange, nach außen geschwungene Randbebauung geprägt, die im Volksmund ‚Peitschenknall‘ genannt wird.

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Architekten

Neben Bruno Taut, dem leitender Architekt der GEHAG, waren Hugo Häring, der damalige Geschäftsführer der einflussreichen Architektenvereinigung „Der Ring“, und der Schweizer Architekt Otto Rudolf Salvisberg maßgeblich an der Planung und Umsetzung beteiligt.

Die Leitung des Gesamtprojekts lag bei Martin Wagner, der seit 1926 Stadtbaurat von Berlin war und eine der zentralen Figuren des sozialen Wohnungsbaus der Weimarer Republik war. Wagner setzte sich unter anderem dafür ein, dass der überarbeitete Bebauungsplan gegen anfänglichen Widerstand des Bezirksamts Zehlendorf durchgesetzt wurde.

Bruno Taut war zuständig für den nördlichen Bereich der Siedlung (Bauabschnitte I, III, IV, V, VI, VII). Otto Rudolf Salvisberg verantwortete den südwestlichen Bereich der Siedlung und den Entwurf der Ladenpassagen an der U-Bahn-Station. Hugo Häring war zuständig für den südöstlichen Bereich.

Ludmilla Herzenstein war für die operative Bauleitung vor Ort zuständig. Sie übernahm diese Aufgabe, nachdem zuvor Hans Kammler in den Jahren 1924/25 als Bauleiter fungiert hatte.

Alfred Grenander entwarf das U-Bahnhofsgebäude Onkel Toms Hütte.

Freiraumgestaltung

Für die Freiraumgestaltung waren die Gartenarchitekten Leberecht Migge und Martha Willings-Göhre verantwortlich.

Die Freiraumplanung wurde als eigenständiger Planungsbestandteil behandelt. Migge und Willings-Göhre waren von Anfang an als gleichberechtigte Partner an der städtebaulichen Konzeption beteiligt.

Dies zeigt sich darin, dass jedem Einfamilienhaus und jeder Erdgeschosswohnung ein eigener, rund 200 Quadratmeter großer Garten zugeteilt wurde. Viele Siedlungsprojekte jener Zeit beschränkten sich auf gemeinschaftliche Grünflächen oder kleine Vorgärten. In Zehlendorf erhielt jede Wohneinheit im Erdgeschoss bzw. jedes Reihenhaus einen eigenen, nutzbaren Freiraum in beachtlicher Größe. Damit wurde der hohe Stellenwert der Landschaftsplanung im Gesamtkonzept unterstrichen.

Architektur

Die Architektur der Waldsiedlung folgt den Prinzipien des Neuen Bauens: klare, kubische Baukörper, Verzicht auf Dekor, durchgehende Flachdächer und eine auf Funktionalität ausgerichtete Grundrissgestaltung.

Bruno Taut lehnte den seinerzeit verbreiteten, streng systematisierten Zeilenbau mit einseitiger Ost-West-Orientierung von Wohn- und Schlafräumen ab. Stattdessen erzeugte er durch die Staffelung und Verschiebung der Baukörper sowie durch eine abgestimmte Farbgebung eine hohe räumliche Differenzierung, die trotz der Verwendung weniger Haustypen und deren serieller Wiederholung eine monotone Wirkung vermied.

Die einzelnen Grundrisstypen der ersten vier Bauabschnitte umfassten 2½-Zimmer-Geschosswohnungen sowie 3½- und 4½-Zimmer-Wohnungen in den Einzelhäusern. Aufgrund der vergleichsweise hohen Grundstückskosten lagen die Mieten über dem Niveau klassischer Arbeiterwohnungsbauten, sodass die Siedlung überwiegend von Familien des Mittelstands bezogen wurde.

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Farbe

Zentrales Gestaltungsmittel war dabei die Farbe. Die Fassaden wurden je nach Ausrichtung in unterschiedlichen Farbtönen gestrichen, wobei Fenster- und Türrahmen in einem bewussten Wechselspiel mit den Wandflächen standen.

Taut hatte Farbe bereits in anderen Siedlungen, wie der Gartenstadt Falkenberg, der Britzer Hufeisensiedlung und der Wohnstadt Carl Legien, als Gestaltungsmittel eingesetzt.

In der Waldsiedlung Zehlendorf erreichte diese Praxis jedoch eine weitere Verfeinerung und Systematisierung. Die auffällige Farbigkeit trug der Siedlung schon zur Bauzeit den Beinamen ‚Papageiensiedlung‘ ein.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde diese Bezeichnung gezielt als Schmähbegriff verwendet, um die moderne Architektur und die farbige Gestaltung Bruno Tauts – der als Jude und Verfechter des Neuen Bauens ins Exil gezwungen wurde – zu diskreditieren.

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Denkmalpflege und Sanierung

Bis in die 1970er-Jahre hinein war die ursprüngliche gestalterische Klarheit der Siedlung weitgehend verlorengegangen. Glatte Putzfassaden waren durch Rauputz ersetzt, die ursprünglichen, fein gegliederten Holzfenster durch sprossenlose Kunststofffenster ausgetauscht worden, und auch die bauzeitliche Farbigkeit war kaum noch erkennbar.

Den Ausgangspunkt für eine systematische denkmalpflegerische Aufarbeitung bildete die Ende der 1970er-Jahre begonnene bauhistorische Untersuchung durch die Architekturwerkstatt Pitz-Brenne (heute Brenne Architekten), aus der ein denkmalpflegerisches Konzept sowie Vorschläge zur Eintragung der Siedlung als Baudenkmal hervorgingen.

Auf dieser Grundlage erfolgte eine schrittweise Wiederherstellung der ursprünglichen Detaillierung und Farbfassung. Bei den im Bestand der Wohnungsunternehmen verbliebenen Mehrfamilienhäusern konnte dies im größeren Verbund und mit einheitlichem Gestaltungskonzept umgesetzt werden.

Die im Privatbesitz befindlichen Einfamilienhäuser im nördlichen Bereich der Siedlung wurden dagegen nur punktuell und auf Eigeninitiative der jeweiligen Eigentümer denkmalgerecht erneuert, was bis heute zu einem uneinheitlicheren Erscheinungsbild dieses Siedlungsteils führt.

2006 gab die Berliner Denkmalschutzbehörde eine Broschüre heraus, die Bewohnerinnen und Bewohnern als Hilfestellung im denkmalgerechten Umgang mit ihren Gebäuden dient. Die Deutsche Wohnen SE, die als Rechtsnachfolgerin der GEHAG den Geschosswohnungsbestand verwaltet und inzwischen zur Vonovia SE gehört, ließ die in ihrem Eigentum stehenden Bauten in den 2010er-Jahren flächendeckend restaurieren.

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Waldsiedlung Zehlendorf, 1926-1931. Architekten: Bruno Taut, Otto Salvisberg, Hugo Häring. Foto: Daniela Christmann

Welterbestatus

Bei der Nominierung der ‚Siedlungen der Berliner Moderne‘ im Jahr 2008 blieb die Waldsiedlung Zehlendorf zunächst unberücksichtigt, nicht zuletzt wegen der zahlreichen nicht denkmalgerechten Umbauten an den in Privateigentum befindlichen Reihenhäusern im Nordteil des Ensembles.

2021 nominierte das Land Berlin die Waldsiedlung schließlich offiziell als siebte Teilstätte nach.

Am 26. Juli 2026 bestätigte das UNESCO-Welterbekomitee die Erweiterung der Welterbestätte ‚Siedlungen der Berliner Moderne‘ um die Waldsiedlung Zehlendorf. Als Begründung wurden unter anderem die Einbettung der Anlage in den vorhandenen Kiefernwald, die charakteristische Farbigkeit sowie die konsequente Verwendung von Flachdächern angeführt.

Zudem gilt die Waldsiedlung als eine der ersten Anlagen, deren städtebaulicher Entwurf die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr systematisch mit den Funktionen Wohnen und Einkaufen verknüpfte.

 

 

 

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