1905 – 1906
Architekt: Henry van de Velde
Geschwister-Scholl-Straße 7, Weimar
Das Gebäude der ehemaligen Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule Weimar wurde in den Jahren 1905 bis 1906 nach Plänen von Henry van de Velde errichtet.
Der sogenannte Van-de-Velde-Bau ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes der Stadt Weimar.
Kunstgewerbeschule
Der ehemalige Bau der Kunstgewerbe besteht aus zwei winkelförmig angeordneten Gebäudeflügeln.
Der Ostflügel wurde bereits 1905 für die Weimarer Bildhauerschule und Kunstgießerei sowie das Atelier des Bildhauers Adolf Brütt errichtet.
Der Südflügel wurde 1906 für die Kunstgewerbeschule und das Atelier Henry van de Veldes an den bestehenden Ostflügel angebaut.
Zwischen 1919 und 1925 befand sich hier das Staatliche Bauhaus zu Weimar. Heute ist es der Sitz der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar.
Die Kunstgewerbeschule mit den beiden Flügelbauten wurde in der Zeit zwischen den beiden Bauabschnitten der unmittelbar gegenüberliegenden Kunstschule Weimar errichtet.
Gebäude
In der Gliederung der Wandpfeiler und der sichtbaren Stahlprofile korrespondiert der Winkelbau mit der Fassade der Kunstschule.
Im ersten Obergeschoss des Südflügels, das an der Fassade von einem steinernen Hufeisenbogen eingefasst ist, befanden sich die Atelierräume Henry van de Veldes.
Wandmalereien und Wandreliefs von Oskar Schlemmer
Im Inneren befinden sich das zentrale, halbkreisförmige Treppenhaus mit Wandmalereien und Wandreliefs von Oskar Schlemmer. Diese entstanden anlässlich der Bauhausausstellung 1923 in Weimar.
Im Jahr 1930 wurden die Kunstwerke entfernt, heute sind sie rekonstruiert.
Otto Bartning und Ernst Neufert
Nachdem das Bauhaus nach Dessau umgesiedelt war, wurde im April 1926 unter der Leitung von Otto Bartning in den Bauten der Kunstschule und der Kunstgewerbeschule die Staatliche Hochschule für Handwerk und Baukunst eröffnet.
Die Leitung der Bauabteilung übernahm Ernst Neufert, der 1919 zu den ersten Studenten des Bauhauses gehörte.
UNESCO-Weltkulturerbe
Der sogenannte Van-de-Velde-Bau gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist somit ein architektur- und kulturhistorisches Zeugnis und Denkmal von hohem Rang.
Umnutzungen und Übernutzungen des Gebäudes schlugen sich sich in Umbauten, Raumteilungen sowie Veränderungen von Fenstern und Türen wider.
Sanierung
Das Gebäude wurde von 2008 bis 2010 grundlegend saniert.
Die Architekturbüros Pitz & Hoh GmbH, Berlin, und Junk & Reich GmbH, Weimar, haben den durch mehrfache Umbauten überformten und teilweise von Hausschwamm und Hausporling befallenen Van-de-Velde-Bau auf Basis historischer Befunde und intensiver Recherchen in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.
Der westliche Ausgang zur Amalienstraße wurde geöffnet und nach den Plänen Van de Veldes saniert. Dadurch konnte die ursprüngliche Lichtführung im Eingangsbereich wiederhergestellt werden.
Durch das Entfernen später eingebauter Wände und Zwischendecken konnten die Grundrisse und Raumvolumina einschließlich der ursprünglichen Türsituationen wiederhergestellt werden.
Bauhaus-Universität Weimar
Die Anforderungen an die Grundsanierung umfassten die Sicherung der Gründung, Reparatur und Rückbau, die Sanierung des Fachwerks und der Deckenbalken, die bautechnische Herrichtung, die barrierefreie Erschließung aller Räumlichkeiten sowie die Umgestaltung des Hauses zu einem modernen Universitätsgebäude der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar.
Im Februar 2010 wurde die ehemalige Kunstgewerbeschule nach der Sanierung der Bauhaus-Universität Weimar zur Wiedernutzung übergeben.

Van-de-Velde-Bau, 1905-1906. Architekt: Henry van de Velde. Wandmalerei: Oskar Schlemmer. Foto: Daniela Christmann

Van-de-Velde-Bau, 1905-1906. Architekt: Henry van de Velde. Wandmalerei: Oskar Schlemmer. Foto: Daniela Christmann

Van-de-Velde-Bau, 1905-1906. Architekt: Henry van de Velde. Relief: Oskar Schlemmer. Foto: Daniela Christmann








