Neu-Ulm: Katholische Kirche Sankt Johann Baptist

Katholische Pfarrkirche Sankt Johann Baptist, 1922-1926. Architekt: Dominikus Böhm
Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

1921 – 1923, 1926 – 1927

Architekt: Dominikus Böhm

Johannesplatz 1, Neu-Ulm

Die eigen­ständige Gemeinde Neu-Ulm entstand im frühen neunzehnten Jahrhundert aus dem Dorf Schwaighofen, nachdem man mit den napoleo­ni­schen Gebietsreformen die Stadt Ulm links der Donau Württemberg und das rechte Donauufer Bayern zugeteilt hatte.

Ab 1841 wurden Ulm und Neu-Ulm zur Festung ausgebaut. Zwischen 1857 und 1860 errichtete man eine neuro­ma­nische Garnisonskirche, nach Plänen von Georg Freiherr von Stengel (1814–1882), die im frühen zwanzigsten Jahrhundert zu klein für die wachsende Gemeinde wurde.

1904 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. An einem ersten Wettbewerb betei­ligte sich der Architekt Dominikus Böhm mit zwei Entwürfen.

Da aufgrund der Inflation nicht genug Geld für einen Neubau vorhanden war, bekam Dominikus Böhm 1921 zunächst den Auftrag die bestehende Backstein-Saalkirche von Stengel zu einer Kriegergedächtniskapelle umzuge­stalten und zu erweitern.

Die von ihm entwi­ckelten Pläne sahen eine grund­le­gende Veränderung des Grundrisses und der Fassaden vor.

Der Vorgängerbau, der nur noch an der Chorseite erkennbar bleiben sollte, wurde in den Neubau als Mittelschiff und Chor mit flankie­rendem Südturm integriert.

Der Umbau erfolgte in zwei Bauphasen, wobei in der ersten von 1921 bis 1923 zunächst nur der Querriegel vollendet wurde, der vor der frei stehenden Kirche eine monumentale Platzwand bildete.

Im April 1923 kamen die Arbeiten infla­ti­ons­be­dingt zum Erliegen, erst nach dreijäh­riger Pause konnten die Arbeiten fortge­setzt werden.

Anstelle der ursprünglich geplanten Basilika entschied sich Böhm nun für eine dreischiffige Hallenkirche mit gezackten, schräg stehenden Wänden.

Auch die Idee zur Einwölbung der Schiffe als Betonspritzgewölbe auf Drahtgewebe und des Betongusses auf Schalung mit Eisenarmierung im Mittelschiff sowie der Plan für die Kapellenanbauten entstanden in dieser Phase.

Von April 1926 bis Januar 1927 konnte Böhms Entwurf umgesetzt werden und die Kirche wurde schließlich am 8. Oktober 1927 geweiht.

Dominkus Böhm, der nach Möglichkeiten zur Rhythmisierung des Raumes suchte, schuf mit Sankt Johann Baptist eine expressive Raumarchitektur und einen Schlüsselbau der modernen Sakralarchitektur.

Der dreischif­figen Hallenkirche ist im Westen ein Querriegel mit fünf Eingangsportalen vorgelagert.

Der Außenbau wird an seiner monumen­talen Nordwest-Fassade durch Jura-Kalk-Quader, Abbruchmaterial der Reichsfeste Ulm, und Bändern aus Handstreichziegeln gegliedert.

Die Seitenwände sind expressiv mit rauem Verputz und horizon­talen Backsteinbändern gestaltet.

Ebenso wie die Zickzackform und der markante Kegel des Kapellenanbaus sind sie typische Merkmale der Architektur des Expressionismus.

Die niedri­geren Seitenbauten des Querriegels verweisen dynamisch auf den erhöhten Mittelteil, den eine Kreuzigungsgruppe von Paul Seiler krönt.

Auf dem Vorplatz verweist rechts noch ein von Bildhauer Fritz Müller-Kamphausen geschaf­fener Löwe auf den Evangelisten Markus.

Südlich des Hauptschiffs befindet sich die Auferstehungskapelle auf rundem Grundriss.

Ihre im Zickzack gefal­teten Wandsegmente werden von einem spitz aufra­genden Dachkegel mit bunten Ziegeln bekrönt.

Dass Böhm eigentlich die bestehende Garnisonskirche erweitert hat, erkennt man nur noch am Ostteil. An Chorraum und Turm haben sich neoro­ma­nische Rundbogenfriese erhalten.

Die Portale der Hauptfassade führen in eine Vorhalle, die zwei Andachtsräume und über sich die Orgelempore aufnimmt.

Über sechs Joche hinweg verjüngen sich die über Eck gestellten Pfeiler zum einge­zo­genen Chor hin, der einen halbrunden Abschluss aufweist.

Die beiden Seitenschiffe münden in zwei Kapellen.

Von der Vorhalle unter der Empore fällt der Blick auf den erhöhten Chor- und Altarbereich, den Onyxfenster in mysti­sches Licht tauchen.

Den gesamten Innenraum prägen die Gussgewölbe aus Eisenbeton. Im Mittelschiff entwarf Böhm eine Stichkappentonne mit scharf­gra­tiger Zellenstruktur, in den Seitenschiffen unregel­mäßig verschobene Springgewölbe.

An das südliche Seitenschiff schließt sich zunächst eine kleinere Kapelle, dann die Taufkapelle an.

Durch deren runden Okulus fällt das Licht über die gezackte Wand herab in den ansonsten fenster­losen Raum.

Gegenüber auf der Nordseite liegt wiederum eine kleinere Durchgangskapelle, die in die Auferstehungskapelle mündet.

Durch Krieg und Umgestaltungen blieb von der origi­nalen Ausstattung wenig erhalten.

Das Gestühl im Hauptschiff wurde von Böhm entworfen und ist original.

Von der Ausstattung wurden vor allem die Fenster von Johann Thorn Prikker zerstört und die Kreuzigungsgruppe über dem Portal beschädigt.

Nach Kriegszerstörungen im März 1945 wurde Böhm 1951 beauf­tragt, den Vorkriegszustand größten­teils origi­nal­getreu wiederherzustellen.

Einzig bei der Lichtführung musste er sich den Gemeindewünschen beugen: die Seitenschifffenster wurden verbreitert, der bis dato fensterlose Chor erhielt Glasbahnen, die in den 1980er Jahren wieder durch Onyxschreiben ersetzt wurden.

1973 wurden die kriegs­be­dingten stati­schen Schäden an Fundament, Westbau und Turm durch Franz Hartberger saniert.

Seit den 1980er Jahren befindet sich im Chor ein Kreuz sowie ein Tabernakel nach einem Entwurf des Künstlers Reinhold Alexander Grübl, der auch die neue Onyxverglasung und den Ambo aus Bronze schuf.

Den Taufstein in der Taufkapelle ist ein Entwurf von Fritz Müller-Kamphausen, die Heilig-Geist-Taube in der Taufkapelle stammt von Hans Wissel.

Von 2016 bis 2020 wurde Sankt Johann Baptist umfänglich saniert. Seit Januar 2020 ist die Kirche wieder zugänglich.

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926-1927. Architekt: Dominikus Böhm

Sankt Johann Baptist, 1926–1927. Architekt: Dominikus Böhm

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