1928
Bildhauer: Karl Knappe
Max-von-Gruber-Straße 3, München
Seit 1928 steht das abstrakte Werk ‚Der Steinerne Baum‘ (Max-von-Gruber-Brunnen) des Bildhauers Karl Knappe in der Max-Gruber-Straße in München-Schwabing.
Karl Knappe
Knappe wurde 1884 in Kempten im Allgäu geboren und besuchte bis 1903 ein Gymnasium in Bamberg. Von 1904 bis 1909 absolvierte er ein Studium an der Kunstgewerbeschule und der Kunstakademie in München.
Von 1909 bis 1911 war er als Bildhauer in Dresden und Berlin tätig. 1911 erhielt er den Rompreis.
Zwischen 1922 und 1928 arbeitete er zusammen mit Thomas Wechs am Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs der Stadt München, welches sich heute im Hofgarten befindet.
1926 wurde er vom Freistaat Bayern zum Professor ernannt.
1930 erhielt er von der Technischen Hochschule München einen Lehrauftrag für Bildhauerei.
Seine bildhauerische Tätigkeit wurde 1933 durch das NS-Regime mit einem Berufsverbot belegt.
Hagar
Die verschollene Skulptur ‚Hagar‘ von Karl Knappe aus dem Jahr 1923 wurde 2010 gemeinsam mit zehn weiteren Plastiken anderer Künstler beim Berliner Skulpturenfund vor dem Roten Rathaus in Berlin entdeckt. Die Fundstücke waren bei Tiefbauarbeiten für eine neue U-Bahn-Linie zutage getreten.
Sie gehörte zu den Beschlagnahmungen im Rahmen der nationalsozialistischen Ausstellung „Entartete Kunst”.
Kurz darauf wurden die Funde im Griechischen Hof des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel der Öffentlichkeit präsentiert.
Im Mai 2013 wurde ein Abguss der „Hagar” in der Christophoruskirche in Berlin-Siemensstadt aufgestellt.
Max-von-Gruber-Brunnen
Der ‚Steinerne Baum‘ (auch Max-von-Gruber-Brunnen) ist eine sechs Meter hohe Brunnenskulptur aus Brannenburger Nagelfluh. Sie soll an die Leistungen von Max von Gruber erinnern. Er war Obermedizinalrat und Professor für Hygiene und Bakteriologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Die Skulptur wurde vom Verein für Verbesserung der Wohnungsverhältnisse in München e.V. finanziert und in Auftrag gegeben.
Seit Mitte der 1920er Jahre waren in München die Reliefs für das Kriegerdenkmal im Hofgarten sowie die Ziegelschnitte an der Fassade des Ledigenheims nach Entwürfen von Karl Knappe entstanden.
1930 wurde Knappe zum Professor für Plastik an die Technische Hochschule München berufen.
1933 wurde er trotz heftiger Proteste seiner Studierenden unter dem Vorwurf des sogenannten Kulturbolschewismus aus dem Amt entfernt.
Auch die Brunnenskulptur sollte entfernt werden. Da die Stadt jedoch nicht Eigentümerin war, blieb das Verfahren ergebnislos.
Der Steinerne Baum
Der Steinerne Baum steht in einem quadratischen Wasserbecken in einem von Wohnbebauung umgebenen Innenhof.
Ein roh belassener Nagelfluhkubus trägt einen Nagelfluh-Stamm, dessen Äste durch unterschiedlich große Platten symbolisiert werden.
In einer im Jahr 1929 erschienenen Monografie über Karl Knappe betont der Autor Otto Fischer die Zugehörigkeit des Werks zum Kubismus.
Für Knappe bedeutete das über die Skulptur rieselnde Wasser und die sich dadurch langsam entwickelnde Vegetation auf den Steinen die Erweiterung des Skulpturbegriffs in Richtung einer zeitlichen Dimension.



