Stuttgart: Peter Behrens

Wohnanlage, 1927. Architekt: Peter Behrens ©Daniela Christmann
Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

1927

Architekt: Peter Behrens

Am Weißenhof 30-32, Hölzelweg 3-5, Stuttgart

Weißenhofsiedlung

Die Weißenhofsiedlung wurde im Jahr 1927 im Rahmen der vom Deutschen Werkbund organisierten und von der Stadt Stuttgart finanzierten Bauausstellung „Die Wohnung“ errichtet.

Während der Ausstellung konnten die 33 realisierten Häuser von außen und innen besichtigt werden. Anschließend wurden sie von der Stadt vermietet.

Musterhäuser

Siebzehn internationale Architekten unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe, präsentierten ihre innovativen Entwürfe für modernes, gesundes, erschwingliches und funktionales Wohnen.

Neben den Musterhäusern in der Weißenhofsiedlung gab es drei weitere Ausstellungen zu sehen: eine zum modernen Bauen weltweit, eine zur Innenarchitektur und eine zu neuen Baumaterialien und Konstruktionen.

Innerhalb von nur vier Monaten besuchten 500.000 Menschen die Ausstellung, die weltweit Resonanz fand.

Avantgarde

In der Weißenhofsiedlung wurde die aktuelle Entwicklung der Architektur und des Wohnungsbaus präsentiert.

Ein formaler Zusammenhang wurde durch die avantgardistischen Architekturauffassungen der beteiligten Architekten sowie die Vorgabe von Flachdächern erreicht.

Terrassenhaus Behrens

Die bis zu viergeschossige Wohnanlage nach Plänen von Peter Behrens besteht aus vier Häusern mit insgesamt zwölf Wohnungen à 54 oder 60 Quadratmeter.

Das Mehrfamilienhaus setzt sich aus einem langgestreckten Querbau und zwei nach Südwesten angesetzten Kuben zusammen.

Der Gesamtbaukörper ist so abgestuft, dass das Flachdach des niedrigeren Hauses jeweils die Terrasse des darüber liegenden höheren Hauses bildet.

Auffallend ist das sich verkröpfende Traufgesims, das sich als schmales Profil um die Baukörper legt.

Diese Art des Terrassenhauses sollte den Zugang zu Licht und Sonne gewährleisten und war für Behrens der Prototyp des städtischen Wohnhauses.

Bau und Wohnung

1927 schrieb er in der anlässlich der Werkbundausstellung erschienenen Publikation „Bau und Wohnung” über sein Projekt:

„Das größte Bauelend besteht in den bisherigen Massen-Mietshäusern der großen Städte. […]

Bei dem von mir projektierten ‚Terrassenhaus‘ handelt es sich um ein Konglomerat aus eingeschossigen, zwei-, drei- und viergeschossigen Häusern, die so ineinandergeschoben sind, dass das flache Dach des niedrigeren Hauses die Terrasse des dahinterliegenden höheren Hauses bildet.

Sämtliche Wohnungen des Erdgeschosses haben ihre Freiplätze in einem durch eine Mauer vom nächstliegenden abgetrennten Vorgarten.

Das erste Obergeschoss erhält zwei Meter tiefe, auf Betonplatten ausladende Balkone, das zweite Obergeschoss erhält seine Terrassen in der Größe der darunter liegenden Zimmer, indem die Frontmauer um die Zimmertiefe des darunter liegenden Geschosses zurückspringt.

Im dritten Obergeschoss bleibt wiederum ein Teil der Zimmer des zweiten Obergeschosses als Terrassen liegen.

Über dem dritten Obergeschoss des Mitteltraktes erstreckt sich ein großer Dachgarten von ungefähr 144 m², der durch Bepflanzung und die Anlage von Spielflächen einen Ersatz für die Vorteile städtischer Freiplätze bietet.“

1933 bis 1945

Während der nationalsozialistischen Diktatur drohte der Siedlung der Abriss, weshalb sie an das Deutsche Reich verkauft wurde.

Der Ausbruch des Krieges verhinderte jedoch die Umsetzung dieser Pläne.

In Sichtweite des Weißenhofs errichteten Vertreter der Stuttgarter Schule als Gegenentwurf die Kochenhofsiedlung.

Zuvor entstanden in Stuttgart mit der Siedlung Ziegelklinge (1927–1928), der Inselsiedlung (1929–1930) und der Wallmersiedlung (1929–1931) noch drei weitere Siedlungen des Neuen Bauens.

Im Zweiten Weltkrieg wurde unterhalb der Weißenhofsiedlung eine Flakstellung errichtet. Die Siedlung wurde Ziel der Luftangriffe auf Stuttgart und Teile von ihr wurden zerstört.

Nach 1945

Nach dem Krieg wurden einige Gebäude, die nur leicht beschädigt waren, abgerissen, während andere durch Satteldachaufbauten stark verändert wurden.

Im Jahr 1958 wurde die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt.

Die Wohnanlage  von Peter Behrens erlitt im Krieg nur leichte Beschädigungen. Im Jahr 1950 wurden auf einzelnen Gebäudeteilen Satteldächer errichtet und die Terrassen teilweise überbaut.

Von 1983 bis 1984 erfolgte eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes.

Welterbe Le Corbusier

2002 erwarb die Stadt vom Bund das zur Siedlung gehörende Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret.

Am 25. Oktober 2006 wurde in dem Gebäude nach drei Jahren originalgetreuer Sanierung das Weißenhofmuseum mit historischen Dokumenten und Architekturmodellen eröffnet.

Im Juli 2016 wurde es zusammen mit dem Haus Citrohan als eine von insgesamt 17 Teilstätten unter der Bezeichnung Das architektonische Werk von Le Corbusier – ein herausragender Beitrag zur Modernen Bewegung in die Liste des UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Siedlung heute

Im Januar 2019 übernahm die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) die Weißenhofsiedlung von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Heute befinden sich 37 Gebäude mit 87 Wohnungen in städtischer Hand.

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

Terrassenhaus, 1927. Architekt: Peter Behrens. Foto: Daniela Christmann

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