Dornach: Goetheanum

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann
Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Grundriss Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner

Grundriss Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Das Erste Goetheanum während der Bauarbeiten 1914 (Jjdm at Hungarian Wikipedia as original uploader, Public domain, via Wikimedia Common)

Das Erste Goetheanum während der Bauarbeiten 1914 (Jjdm at Hungarian Wikipedia as original uploader, Public domain, via Wikimedia Common)

Das Erste Goetheanum, das in der Silvesternacht 1922/23 durch Brandstiftung zerstört wurde (https://anthrowiki.at/images/4/4a/Goetheanum1_color.jpg)

Das Erste Goetheanum, das in der Silvesternacht 1922/23 durch Brandstiftung zerstört wurde (https://anthrowiki.at/images/4/4a/Goetheanum1_color.jpg)

1924 – 1928

Entwurf: Rudolf Steiner

Rüttiweg 45, Dornach, Schweiz

Rudolf Steiner und die Entwicklung der anthroposophischen Architektur

In den ersten Jahrzehnten seines Wirkens war der Begründer der AnthroposophieRudolf Steiner, vor allem als Erkenntnistheoretiker und  Kulturphilosoph tätig.

Er hatte in Wien Mathematik, Physik und Chemie studiert und gab in Weimar 1882 bis 1897 die Naturwissenschaftlichen Schriften Goethes heraus.

Vor allem die Erkenntnismethode Goethes, die diesen zur Entdeckung der Ur-Pflanze und zu seiner Metamorphosenlehre führte, entwi­ckelte Steiner zu einer eigenen Lehre weiter, die 1923 in der Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft mündete.

Bereits seit der Jahrhundertwende hatte er begonnen seine spiri­tu­ellen Forschungsergebnisse zu veröf­fent­lichen, zunächst vor allem innerhalb der Theosophischen Gesellschaft, deren Generalsekretär der deutschen Sektion er seit 1902 war.

1907 hielt die Theosophische Gesellschaft ihren inter­na­tio­nalen Jahreskongress in einem angemie­teten Saal in München ab. Steiner gestaltete den Saal mit Tüchern, auf Brettern gemalten Säulen mit Kapitellen und Rundbildern mit Darstellungen der in der Apokalypse geschil­derten Siegel.

Diese temporäre Raumgestaltung war eine Vision und gleich­zeitig ein Impuls für zukünftige Bauten der Antroposophen.

In München wurden 1907 anlässlich des Kongresses Dramen von Edouard Schuré aufge­führt, in den folgenden Jahren 1910 bis 1913 schrieb und insze­nierte Rudolf Steiner selbst vier Mysteriendramen.

Da es immer schwerer wurde, in Stil und Ausstattung passende Räume für die Aufführungen und die Jahreskongresse zu mieten, plante die Gesellschaft einen eigenen Saal- und Bühnenbau zu errichten.

Zunächst wurde dieser Goetheanumbau in München-Schwabing geplant, kam jedoch nicht zur Ausführung.

Dornach

Steiner wurde schließlich ein geeig­netes Grundstück in Dornach bei Basel in der Schweiz zur Verfügung gestellt, hier errichtete die inzwi­schen von der Theosophischen getrennte Anthroposophische Gesellschaft ein sogenanntes Erstes Goetheanum.

Die Grundsteinlegung fand am 20. September 1913 statt.

Gleichzeitig mit dem Ersten Goetheanum, dessen Unterbau in Stahlbeton ausge­führt war und dessen Oberbau eine Holzskelettkonstruktion aufwies, wurden das Heizhaus mit Elektrozentrale, die Glasschleiferei sowie das Haus Duldeck errichtet.

Seit Beginn der Bauarbeiten am Goetheanum im Herbst 1913 begannen sich immer mehr Anthroposophen in Dornach anzusiedeln, für die neuer Wohnraum geschaffen werden musste.

In Dornach gründete sich im Januar 1914 der Verein Anthroposophen-Kolonie mit dem Zweck, Wohnbauten zu errichten, die um das Goetheanum gruppiert in ihrer archi­tek­to­ni­schen Gestaltung in harmo­ni­scher Beziehung zu eben diesem stehen sollten.

Der Verein übernahm die Zuteilung der Grundstücke auf dem Hügel und die Beurteilung der künst­le­ri­schen Qualität der archi­tek­to­ni­schen Entwürfe.

Der Hügel in Dornach sollte in gestal­te­ri­scher Hinsicht Modellcharakter haben und Versuchszentrum sein für eine aufstre­bende anthro­po­so­phische Bewegung in der ganzen Welt.

An den zeitgleich mit dem Ersten Goetheanum entstan­denen Nebengebäuden zeigte Steiner, wie man die anthro­po­so­phische Bauidee bis in die kleinsten Details durch­ge­stalten konnte.

Äußere Details wie Treppen, Treppengeländer, Tore, Türen, Fenster und Dächer wurden von ihm ebenso entworfen wie die Details in den Innenräumen: Kamine, Einbauschränke, Türen, Decken und Leuchten.

Architekten wie Hermann Ranzenberger nahmen seine Anregungen auf und entwi­ckelten diese in unter­schied­lichsten Ausformungen weiter.

An Silvester 1922/23 fiel das Erste Goetheanum einer Brandstiftung zum Opfer. Wenige Tage später hatte Steiner bereits das Konzept für einen Nachfolgerbau entwickelt.

Zweites Goetheanum

Rudolf Steiner gestaltete im März 1924 für das Zweite Goetheanum ein Plastilinmodell, in dem er die Aussenformen mit dem schmuck­losen Bühnentrakt im Osten und dem markanten Westvorbau festhielt.

Plastilinmodell Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Plastilinmodell Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Im Juni 1924 wurde ein erster Bauantrag bei der Behörde einge­reicht. Nach Prüfung des Antrags reduzierte man auf Wunsch der Behörde die Höhe des Baus und überar­beitete einige Details. Ein unabhän­giger Ingenieur überprüfte die Statik des Baus.

Im November 1924 wurde die Genehmigung der Baupläne erteilt. Im Winter 1924/1925 begannen die Abbrucharbeiten des Ersten Goetheanums.

Da Steiner bereits kurz nach Baubeginn im März 1925 starb, war die weitere Ausarbeitung der Pläne den mitwir­kenden Architekten und Künstlern überlassen.

Am 29. September 1926 wurde das Richtfest gefeiert, am 29. September 1928 fand die Eröffnung des Baus statt.

Die räumliche Konzeption war im Prinzip die gleiche wie diejenige des ersten Baues. Mittelpunkt war ein großer Saal mit etwa tausend Sitzplätzen und eine Bühne für Schauspiel (Faust von Goethe, Mysteriendramen von Rudolf Steiner und andere Inszenierungen) sowie für Eurythmie und Vorträge.

Der Bau enthielt Tagungs- und Arbeitsräume, Ateliers, Verwaltungsräume und die technische Bühne, die lange Zeit als größte Europas galt.

Das Goetheanum ist einer der ersten großen, in Eisenbeton gestal­teten Bauten des 20. Jahrhunderts, dessen freie Formen über die reine Funktionalität hinausgehen.

Mit seinem Sockelunterbau erstreckt es sich in Ost-West-Richtung über neunzig Meter, in Nord-Süd-Richtung über fünfund­achtzig Meter.

Der Oberbau hat eine Länge von zweiund­siebzig Metern Länge, ist vierund­sechzig Meter breit und sieben­und­dreißig Meter hoch.

Die verein­nahmte Grundfläche beträgt 3.200 Quadratmeter, die Oberfläche des Sockels 3.300, die des Hochbaus 5.500 Quadratmeter

Ingenieur des Bauwerks war Ole Falk Ebbell aus Norwegen, der in Basel 1907 ein Ingenieurbüro gegründet und sich auf den Betonbau spezia­li­siert hatte.

Im Gegensatz zum Ersten Goetheanum, das weitgehend aus Holz errichtet war und einem Brand zum Opfer fiel, wählte Steiner Eisenbeton als Material für den Nachfolgebau.

Gründe dafür waren eine höhere Brandsicherheit und die Möglichkeit der freien Formgebung, welche das Material bot.

Die Finanzierung für den Bau kam zunächst aus dem Erlös der Versicherungssumme für das Erste Goetheanum, musste aber im Laufe der Bauarbeiten durch Spenden aufge­stockt werden.

Auf der Baustelle des Goetheanums trug man den aufbe­rei­teten Beton in großen Gefässen auf dem Rücken der Arbeiter die Gerüsttreppen hinauf. Zwischen den Holzschalungen wurde er schließlich mit langen Holzstangen verdichtet.

Die von Heinrich Liedvogel, einem Zimmermann mit Schiffbauerfahrung, ausge­führten Schalungsarbeiten zeich­neten sich dadurch aus, dass dünne Leisten im nassen Zustand gebogen werden mussten, um sie über Spanten zu nageln.

Damit schuf man die notwen­digen Formen, die später mit Beton ausge­gossen werden konnten.

Vergleichbare Betonkonstruktionen wurden zuvor nur in den Jahren 1911 bis 1913 bei der Jahrhunderthalle in Wroclaw, Polen, und 1922 bis 1924 bei den Luftschiffhallen von Orly in Frankreich realisiert.

Innenausbau

Der Innenausbau wurde in in den folgenden Jahrzehnten nach und nach vervollständigt.

Das Südtreppenhaus wurde 1930 von Carl Kemper bis zum Saalgeschoss vollendet, 1951 bis zum fünften Stock fortge­führt und schließlich 1993 bis zum siebten Stock erweitert.

Der Ausbau des Goetheanums zog sich über einen so langen Zeitraum, da die notwen­digen Arbeiten nicht über Kredite, sondern über Spenden und Zuwendungen finan­ziert wurden.

An seiner Ostseite erscheint das Gebäude als strenger Kubus, lediglich Eckpilaster und Dachgesims lockern den Gesamteindruck.

Im Kontrast dazu herrschen an der Westseite mit dem Haupteingang dynamische und aufge­lo­ckerte, inein­ander flies­sende Formen vor.

An der Westseite ist schon von außen der Saal mit den hohen Fenstern erkennbar. An der Ostseite der Bühnentrakt mit Garderoben und Lagerräumen.

In den beiden verbin­denden Flügeln befinden sich die Treppenhäuser, Tagungsräume und Nebenbühnen.

Eine umlau­fende Terrasse verbindet die Räume untereinander.

Die Baustelle des Goetheanums war national wie inter­na­tional viel beachtet und wurde von Architekten und Politikern besichtigt.

Neben Imai Kenji, der bereits 1926 die Baustelle besuchte, sahen sich 1927 Le Corbusier und der damalige Schweizer Bundespräsident Giuseppe Motta die Baustelle an.

Auch die Bevölkerung inter­es­sierte sich zunehmend für das Bauwerk. Tausende Interessenten stellten Anfragen, ob sie durch den unfer­tigen Bau geführt werden könnten.

Am 1. Juli 1928 fand aus diesem Grund eine Führung statt, an der über tausend Personen teilnahmen.

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924-1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Goetheanum, 1924–1928. Entwurf: Rudolf Steiner. Foto: Daniela Christmann

Sanierung

Am Zweiten Goetheanum wird ununter­brochen gebaut und Betonsanierungen vorge­nommen, da die Stahlarmierung nicht mit einer ausrei­chenden Betonüberdeckung versehen ist und zu rosten beginnt.

Bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts kam die Sichtbeton­fassade ohne weitere Erhaltungsmassnahmen aus. Erste klein­flä­chige Reparaturarbeiten an der Dachauskragung im Nordwesten und an Teilen der Westfassade wurden 1972 vorgenommen.

Westeingang und Westtreppenhaus befanden sich bis Anfang der 1960er Jahre im Rohbauzustand. Den Innenausbau als Sichtbetonlösung gestal­teten die Architekten Rex Raab und Arne Klingborn.

Der frühere Probensaal wurde zweimal durch Albert von Baravalle im Jahr 1952 und durch Mathias Ganz im Jahr 1990 umgestaltet.

Der Ausbau des Großen Saals erfolgte 1956 bis 1957 durch Johannes Schöpfer, seine Neugestaltung 1996 bis 1998 durch Christian Hitsch.

1984 bis 1988 repro­fi­lierte man die Brüstung des Terrassengeschosses im Süden und Südwesten. Das Sockelgeschoss erhielt einen Anstrich.

1993 wurde das Goetheanum unter Denkmalschutz gestellt.

Von 1993 bis 1996 wurden die Wandflächen der Nordostseite, Ostseite und Südostseite bis zu vier Zentimeter abgetragen, um neuen Beton vorzubetonieren.

2014 wurden die West- und Südfassaden, 2015 die Nord- und Ostfassaden saniert.

 

 

 


 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.